Mein Senf zu: Die Wäscheleinen Schaukel

Sei gegrüßt.

Irgendwann letzten November habe ich angefangen nach Büchern im Erwachsenenbereich (und nein, ich meine nicht Erotik) zu suchen, die zu meinen Schwerpunktthemen passen. Ich lese ja gerne Jugendbücher, aber ich möchte sie nicht ausschließlich lesen. Ich fand glücklicherweise recht schnell einige Bücher, die mich ansprachen. Ein paar davon sind auf meinem Wunschzettel für Weihnachten/Geburtstag gelandet.
Meine Eltern haben mir zum Geburtstag dann – übrigens gebraucht; finde es mega, dass meine Eltern sich darauf einlassen! – den Roman geschenkt, den ich dir heute vorstellen möchte.

Allgemeine Infos

KlappentextEckdaten
Cover von "Die Wäscheleinen Schaukel"Dieser Roman führt durch die Lebenswege zweier homosexueller syrischer Männer, die sich im kriegszerrütteten Syrien kennenlernen und über Beirut und Kairo schließlich gemeinsam nach Vancouver fliehen. Die Erinnerungen an ihre zurückgelassene Heimat werden in den fantasievollen, manchmal schwermütigen, aber jede für sich wunderschönen Geschichten wiedererweckt. als einer der Protagonisten vier Jahrzehnte später versucht, seinen Partner an dessen Sterbebett am Leben zu halten.
Cover von "Die Wäscheleinen Schaukel"

Titel  Die Wäscheleinen Schaukel
Autor*in  Ahmad Danny Ramadan
Verlag  Orlanda Verlag GmbH
ISBN  978-3-944666-74-7
Seiten  288
Erscheinungsdatum  11.01.2021
Preis  22,- € (Klappenbroschur)

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Stand: 11.02.22

Mein Senf

Ich gebe ehrlich zu: Über den Nahen Osten weiß ich (leider) so gut wie nichts. Kürzlich erst las ich ein Buch, welches z.T. im Irak spielte. Dieses hier spielte jetzt zum großen Teil in Syrien, aber auch im Libanon und Ägypten. Ich finde die arabische Welt aber durchaus faszinierend. Insofern ist es eine gute Entscheidung gewesen auch endlich mal Bücher von Autor*innen aus diesem Teil der Welt zu lesen.
Vor allem, da mir sonst dieses tolle Buch entgangen wäre. Gut, zugegeben, das habe ich mir eigentlich aufgrund der LGBT-Thematik gewünscht, nicht aufgrund des Bezugs zur arabischen Welt. ^^‘

Diese episodenhaft erzählte Geschichte ist einfach so stark. Wir haben hier eine der schönsten Liebesgeschichten, die ich je gelesen habe. Die bisweilen fast märchenhafte Erzählung trifft dabei immer wieder hart auf die Realität des Krieges und der Homophobie. Wie mit einem Schlag in die Magengrube, wird man daran erinnert, dass nicht alles eitel Sonnenschein ist. Ahmad Danny Ramadan berichtet hier autofiktional – er verarbeitete aber auch Geschichten von Freund*innen und Bekannten – über Verlust, Angst (v.a. durch Homophobie und Krieg), Flucht, Heimat und vor allem über Liebe.

Mir gefällt die Art und Weise, wie die Geschichte aufgebaut ist sehr gut. Man nimmt viel mit, kann aber auch sehr gut darin abtauchten. Dadurch, dass die einzelnen Geschichten als Rückblick erzählt werden, gewinnt man schnell auch wieder Distanz als Leser. Der Erzähler, hat es da nicht so leicht: Es ist krass zu sehen, wie schwer die eigene Vergangenheit auf einem lasten kann, wie sehr man von den eigenen Dämonen verfolgt werden kann.
Übrigens habe ich bisher eine Erfahrung gemacht: Tritt der Tod als Figur auf, ist das Buch immer gut. Klar, es mag Ausnahmen geben, aber die sind mir bisher eben noch nicht begegnet. Auch hier liebe ich die Personifikation des Todes wieder sehr. Es ist paradox, aber durch das Auftraten des Todes als Figur, wird die Situation irgendwie… realer.

Ich freue mich sehr, dass ich den hakawati (Geschichtenerzähler) und seinen Liebsten auf ihrer Lebensreise begleiten durfte.
An ihrem Ende kämpfte ich mit den Tränen.

Wer übrigens einen kurzen Einblick in die Geschichte vom sympathischen Autor selbst bekommen möchte, dem sei das kurze Video-Interview auf der Verlagshomepage ans Herz gelegt.

Deine
Marina
(DarkFairy)

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