Mein Senf zu: Loveless

Sei gegrüßt.

Nachdem ich „Heartstopper“ gelesen hatte, entdeckte ich, dass von der gleichen Autorin kürzlich auch ein Jugendroman erschienen ist. Die Story klang wirklich gut und ich wollte es unbedingt lesen. Also schrieb ich dem Loewe-Verlag eine Anfrage in meiner Funktion als Buchhändlerin und Zuständige fürs Jugendbuch – und weil es immer schön ist, wenn man mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen kann: Das Buch passt auch hervorragend auf den Blog. Also. Here we go.

Vielen Dank an den Loewe-Verlag für das Leseexemplar.

Allgemeine Infos

InhaltsangabeEckdaten
Cover von "Loveless" von Alice OsemanGeorgia ist 18 und noch immer ungeküsst. Sie war noch nie verliebt, noch nicht einmal ein bisschen verknallt. Dabei schwärmt sie für alles, was so richtig schön romantisch ist: Hochzeiten, Liebesgeschichten und Happily-Ever-Afters.

Der Richtige wird schon noch kommen, oder? Oder die Richtige? Irgendwann…
Aber was, wenn nicht? 

Cover von "Loveless" von Alice Oseman

Titel  Loveless
Autor*in  Alice Oseman
Übersetzer*in  Vanessa Walder
Verlag  Loewe
ISBN  978-3-7432-1219-0
Seiten  480
Erscheinungsdatum  09.02.2022
Preis  14,95 € (Klappenbroschur)

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Stand: 19.03.2022

Mein Senf

Ich bin ehrlich: Etwa die erste Hälfte des Buches zog sich ziemlich für mich. Ich mochte zwar die Figuren, aber mich nervte einfach dieses Mindset „Du musst als Jugendliche*r unbedingt jemanden küssen und Sex haben, sonst bist du unnormal. Und mit 18 bist du sowieso schon suuuper spät dran“.
Ich dachte: Entweder hat sich das sehr geändert, seit ich in dem Alter war, oder das wird in dem Buch einfach übertrieben dargestellt. Ich kann mich an sowas nicht erinnern. Meine Kollegin (etwa mein Alter) auch nicht.
Ich hatte meinen ersten richtigen Freund mit 19. Da habe ich auch meinen ersten Kuss bekommen und hatte zum ersten Mal Sex. Und diesen Freund habe ich übrigens später geheiratet ;-) Das war genauso wenig unnormal wie Freundinnen von mir, die schon viel früher einen Freund oder bis dahin schon mehrere Freunde hatten. Jeder hat sein eigenes Tempo und jeder sollte nur das machen, womit er sich wohlfühlt.

Rückblickend gehe ich davon aus, dass dieses Mindset als Stilmittel genutzt wird, um Georgias Gefühle und v.a. ihre Abneigung deutlicher zu machen.
Wenn man von vorneherein ein Setting schafft, in dem Liebe und Sex nicht so wichtig sind, dann ist es sicherlich schwierig das Erkennen bis hin zum Outing eines Aro-Ace*-Charakters zu beschreiben.

Ab dem Zeitpunkt, an dem Georgia anfängt zu begreifen, warum sie sich nicht verliebt, wird das Buch dann aber richtig cool.
Ihr Seelenleben – und nicht nur ihres – ist wirklich eindringlich, nachvollziehbar und, zumindest denke ich das, realistisch beschrieben.
Außerdem wird innerhalb der Geschichte deutlich gemacht, warum das Buch so wichtig ist – was ich für einen wirklich cleveren Kunstgriff halte. Aromantisch bzw. asexuell als sexuelle Orientierung kommt kaum in Medien, wie Filmen und Büchern, oder in Form von Berühmtheiten, über die diese Orientierung bekannt wäre, vor. Es gibt für Jugendliche wie Georgia keine Identifikationsfiguren.
Deswegen sind solche Bücher (Filme etc.) und offen queer lebende Menschen in der Öffentlichkeit so wichtig: Sie helfen bei der Sozialisierung von Heranwachsenden, sodass unsere Gesellschaft nach und nach bunter und offener wird. Und für hetero-cis Menschen sind diese Faktoren genauso wichtig, nämlich um Empathie, Verständnis und Akzeptanz zu fördern.

Alles in allem ist „Loveless“ ein tolles Buch, voll mit den verschiedensten Identifikationsfiguren. Es ist außerdem eine tolle Coming-Of-Age-Geschichte mit viel Witz und Anspielungen auf verschiedenste Fandoms.
Und es macht Lust auf Shakespeare. Sehr sogar.

Deine
Marina
(DarkFairy)

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*Aro-Ace ist eine Abkürzung für aromantisch-asexuell.

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