Mein Senf zu: In all seinen Farben

Sei gegrüßt.

Manchmal habe ich das Gefühl, ich kaufe Bücher für den Laden nur ein, weil ich sie insgeheim selbst haben möchte. „In all seinen Farben“ klang gut, hatte ein cooles Cover und war eine Neuerscheinung und so landete es im Jugendbuchregal, für das ich zuständig bin. Dort stand es eine Zeit lang. Ich habe täglich auf dieses Buch gestarrt und es dann schließlich doch selbst gekauft ^^‘
Na ja, für den Laden haben wir es aber nachbestellt und jetzt wo ich es gelesen habe, kann ich es auch viel einfacher empfehlen und verkaufen.

Allgemeine Infos

KlappentextEckdaten
Cover des Jugendbuches "In all seinen Farben" von George LesterIn Robin Coopers Leben läuft gerade nichts, wie es sollte: Während sich alle anderen schon aufs College vorbereiten, häufen sich bei ihm die Absagen. Für Robin bricht eine Welt zusammen, als sein großer Traum von der Schauspielschule zerplatzt und er plötzlich ohne Plan für die Zukunft dasteht. Und dann ist da auch noch die Sache mit seinem Freund Connor, der sich nicht offen zu ihm bekennt. Alles ganz schön kompliziert! Doch als ihn seine Clique an seinem 18. Geburtstag in eine Drag Show schleppt, realisiert Robin, dass das Leben manchmal ganz eigene Pläne macht…
Cover des Jugendbuches "In all seinen Farben" von George Lester

Titel  In all seinen Farben
Autor:in  George Lester
Verlag  Lübbe ONE
ISBN  978-3-8466-0128-0
Seiten  384
Erscheinungsdatum  25.06.2021
Preis  12,90 € (Stand: 12.10.21)

Mein Senf

Ich bin ehrlich: Zu Beginn war mir das Buch… zu klischeehaft. Robin, der Hauptcharakter, war ein wandelndes Schwulen-Klischee. Ein Junge, dessen größter Traum eine Kunsthochschule (darstellende Kunst) ist, der leidenschaftlich gerne tanzt, singt und schauspielert, der liebend gern RuPaul’s Drag Race schaut und der von seiner besten Freundin „Girl“ genannt wird.
Aber dann kam folgende Aussage von Robin:

„Ich weiß, dass ich manchmal tuntig rüberkomme, aber das ist zufällig etwas, was ich an mir mag. Natürlich mache ich mich so zum leichten Opfer für irgendwelche Idioten, die danach Ausschau halten, aber ich möchte mich nicht verstellen. […] „

– In all seinen Farben, S. 97

Okay, dem Autor ist also bewusst, dass Robin so klischeehaft ist. Er nutzt es bewusst als Stilmittel. Dann ist das okay für mich.
Außerdem habe ich mir dann mal die Autoren Biografie durchgelesen: George Lester ist selbst homosexuell und tritt als Drag Queen auf. Ab da habe ich alle Klischees anders betrachtet. Es ist einfach etwas anderes, wenn jemand aus der LGBTQIA+-Community mit solchen Klischees spielt, als wenn ein hetero-cis-Mann (oder Frau, aber der Autor ist in diesem Fall ein Mann) das tun würde.

Generell glaube ich, dass das Buch einfach ein bisschen brauchte. So richtig gut gefiel es mir ab Robins Geburtstagsfeier, ab der Drag Show.
Mir gefällt es wie unbeirrt Robin für seinen Traum kämpft. Er lässt sich nicht unterkriegen und verfolgt seine Ziele.
Außerdem macht das Buch riesige Lust, sich mit Drag zu beschäftigen. Bis jetzt hatte ich keinen großen Bezug zu Drag, aber jetzt hätte ich schon große Lust mir mal eine Show anzuschauen. Zumindest RuPaul’s Drag Race werde ich mir wohl mal anschauen.

Kein großer Fan bin ich allerdings von Natalie. Irgendwie mag ich nicht, wie sie im Laufe des Buches reagiert und wie sie Robin behandelt. Für eine beste Freundin erscheint mir das ein seltsames Verhalten. Aber das ist vielleicht einfach persönlicher Geschmackt.

Insgesamt ist „In all seinen Farben“

eine außergewöhnliche Geschichte über Selbstfindung, Mut, Freundschaft und wahre Liebe

– In all seinen Farben, Klappentext

– besser hätte ich es auch nicht sagen können – die den Horizont erweitert, Lust auf Glamour und v.a. auf Drag macht.

Abschließend noch ein lobendes Wort an den Verlag: Trigger-Warnungen in Büchern sind durchaus sinnvoll und auch wichtig. Einige Verlage glauben, dass eine solche Warnung den Lesespaß mindern (wegen etwaigen Spoilern). Das halte ich zwar für Quatsch, aber falls andere Leser*innen das ähnlich wie diese Verlage sehen sollten, hat Lübbe ONE die perfekte Lösung gefunden.
Ganz vorne im Buch steht der Hinweis, dass das Buch eine Trigger-Warnung enthält, das diese Spoiler enthält und wo sie zu finden ist. Die Warnung selbst findet sich dann ganz hinten. So kann jeder selbst entscheiden, ob er/sie die Warnung lesen möchte. Kein/e Leser*in liest die Trigger-Warnung versehentlich, wenn er/sie vorne ins Buch blättert, um vielleicht die ersten Sätze zu lesen o.ä..

Deine
Marina
(DarkFairy)

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