Mein Senf zu: The Hate U Give

Sei gegrüßt.

„The Hate U Give“ ist so ein Buch, dass ich schon lange lesen wollte. Ein Buch, von dem ich schon vorher dachte, dass es mich echt mitnehmen wird.
Als ich es vor nicht allzu langer Zeit in einem Bücherschrank entdeckte, musste es mit. Jetzt habe ich es gelesen und es hat meine Erwartungen sogar übertroffen. Ich meine: Dass ich mir gleich zwei weitere Bücher der Autorin zugelegt habe, sagt, glaub ich, schon einiges aus.

Allgemeine Infos

KlappentextEckdaten
Cover vom Jugendbuch "The Hate U Give"Starr ist in zwei Welten zu Hause: in dem schwarzen Viertel, in dem sie aufgewachsen ist, und in ihrer überwiegend weißen Privatschule. Als ihr bester Freund Khalil vor ihren Augen von einem Polizisten erschossen wird, muss Starr sich entscheiden: Wird sie schweigen oder ihre Stimme erheben?
Cover vom Jugendbuch "The Hate U Give"

Titel  The Hate U Give
Autor:in  Angie Thomas
Verlag  cbj
ISBN  978-3-570-31299-5
Seiten  512
Erscheinungsdatum  26.12.2018
Preis  9,99 € (Stand: 10.10.2021)

Mein Senf

Als ich zwölf war, führten meine Eltern zwei Gespräche mit mir.
Das eine war das übliche, über Blumen und Bienen. […]
Das zweite Gespräch handelte davon, was zu tun ist, wenn man von einem Cop angehalten wird.
Momma regte sich auf und meinte zu Daddy, ich sei noch zu jung dafür. Er konterte, dass ich auch nicht zu jung sei, um verhaftet oder erschossen zu werden.

– The Hate U Give, S. 29

Ich bin weiß, hetero, habe studiert und einen festen Job. Mir ist bewusst, dass ich einige Privilegien genieße – und das macht mich traurig… und wütend.
Wenn ich davon höre – oder wie in diesem Fall lese – dass PoC (= people of color) mit ihren Kindern Gespräche darüber führen müssen, wie sie nicht erschossen werden, nur weil sie so sind, wie sie sind, macht mich das sprachloser. Und dann gewinnt die Wut die Oberhand. Ich möchte nicht sprachlos sein, ich möchte aufschreien ob dieser Ungerechtigkeit – und wir dürfen auch nicht weiter sprachlos daneben stehen. Wir müssen unsere Stimme erheben. Und genau darum geht es auch in „The Hate U Give“.

Angie Thomas hat mit Starr eine unfassbar starke und nachvollziehbare Hauptfigur geschaffen. Man versteht ihr Handeln und Denken. Man kann sich in sie hineinversetzen.
Da taucht im Buch die Polizei auf und mir wird ganz mulmig. Ich fühle mich verunsichert, eben ganz so wie Starr. Mit dem entscheidenden Unterschied, dass ich das Buch weglegen kann und alles wieder in Ordnung ist. Für Starr, für PoC geht das nicht. Für sie ist es immer so.
Das ist der Grund warum wir solche Bücher brauchen. Bücher, die zeigen wie scheiße Rassismus ist, was er mit Betroffenen macht.

Mayas Freund Ryan ist der einzige andere Schwarze in der elften Klasse, und alle erwarten irgendwie, dass wir zusammen sind.

– The Hate U Give, S. 87

Es ist beeindruckend, wie unaufdringlich Angie Thomas verschiedene Facetten von Rassismus und v.a. Alltagsrassismus in die Geschichte einbaut. Es wird deutlich, dass Rassismus viele Formen annehmen kann und dass es immer darum geht, wie der Betroffene die Situation bzw. das Gesagte wahrnimmt. Da kann man noch so sehr sagen „Ich meinte das nicht rassistisch“.
Wenn ich jemanden „Arschloch“ nenne, kann ich auch sagen, dass das nicht als Beleidigung gemeint war, vermutlich wird mein Gegenüber es aber trotzdem als solche auffassen. Gleiches Prinzip. Nur leider ist Rassismus strukturell und kulturell viel tiefer verwurzelt.

Genau da liegt das Problem. Wir lassen zu, dass Leute solche Dinge sagen, und dann sagen sie die so oft, dass es für sie total okay und für uns normal ist.

– The Hate U Give, S. 288

„The Hate U Give“ – dessen Titel übrigens auf eine von Tupac Shakur formulierte Umdeutung des Ausdrucks „Thug Life“ zurückgeht – ist ein unfassbar starkes Buch.
Ein Buch für mehr Gleichberechtigung und Menschlichkeit. Ein Buch, das dazu ermutigt, den Mund aufzumachen und die eigene Stimme zu erheben, auch wenn es unbequem ist. Ein Buch, das viel mehr Menschen lesen sollten und das unbedingt weiter als Lektüre in die Schulen gehört.

Deine
Marina
(DarkFairy)

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1 Kommentar

  1. Ping von Mein Senf zu: On The Come Up » Mein Senf für die Welt:

    […] Das Buch hatte außerdem den netten Nebeneffekt, dass ich etwas über Rap gelernt habe. Bisher konnte ich mit der Musik nie viel anfangen – oder den Musikern. Aber nun nach meinem zweiten Buch von Thomas, werde ich mir wohl auch mal Tupac Shakur genauer anschauen. Es gibt ein paar Referenzen zu ihm, nicht nur in „On The Come Up“ sondern auch v.a. in „The Hate U Give“. […]

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