{Erfahrungsbericht} No-Poo – Mein Leben ohne Shampoo

Sei gegrüßt.

Wenn man sich bemüht weniger Plastikmüll zu produzieren, landet man früher oder später im Badezimmer. Deospray, Duschgel, Shampoo, Creme, Zahnpasta… da kommen schnell eine ganze Menge Plastik-Verpackungen zusammen. Manche Dinge lassen sich mittlerweile sehr einfach ersetzen, andere brauchen etwas mehr Beschäftigung mit der Thematik. Das hängt auch immer sehr von den eigenen Lebensumständen ab – es kann eine Frage des Geldes sein, aber auch einfach von empfindlicher Haut mit speziellen Anforderungen.
Ein Punkt, der für mich viel herumprobieren und einige Fehlschläge beinhaltete, war der Verzicht auf konventionelles Shampoo. Heute möchte ich dir von meinen Erfahrungen in dem Bereich berichten.

Ohne Shampoo? Geht das überhaupt?

Klar, kann man auf Shampoo verzichten. Es gibt Menschen, die waschen ihre Harre einfach nur mit Wasser. Auch sonst ist alles von eigentlich-gar-nicht-No-Poo (festes Shampoo) bis hin zu Mehl möglich. Eine sehr gute Übersicht über die verschiedenen Methoden, mit der auch ich beim Experimentieren gearbeitet habe, bietet Shia auf ihrem Blog wastlandrebel.de (Stand: 28.08.22, 12:32 Uhr):

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Meine persönliche Reise

Meine ersten Gehversuche in Bezug auf die Haarwäsche ohne Shampoo unternahm ich mit Haarseife. Das war einfach das erste, worüber ich stolperte, als ich anfing mich mit der Zero Waste Thematik zu beschäftigen. Feste Shampoos gab es da noch nicht in jeder Drogerie und meine erste Haarseife habe ich bei Tante Olga erstanden.
Haarseife war für mich ganz furchtbar. Ich habe es wirklich mehrere Monate lang versucht, aber meine Haare sahen einfach immer fettig aus, fühlten sich strohig an und es wurde auch nicht besser. Umstellphase okay, sehe ich ein, aber doch nicht über mehrere Monate! Irgendwann war ich einfach nur noch frustriert und habe zu normalem Shampoo zurück gewechselt, damit ich nicht mehr täglich meine Haare waschen muss, um überhaupt halbwegs vernünftig auszusehen.

Eine Weile später wurde dann festes Shampoo immer populärer. Eigentlich ist das keine richtige No-Poo-Methode, da man immer noch herkömmliches Shampoo nutzt. Einziger Unterschied: Dem Shampoo fehlt halt der Wasseranteil.
Jedenfalls funktionierte festes Shampoo für mich schon mal deutlich besser als Haarseife. Das Problem war nur: Nicht jedes Shampoo war gleich gut, am besten war eines von Lush, dass dann aber leider auch nicht vegan war. Vor allem aber kann ich ja nicht jedes Mal wegen Shampoo extra nach Köln fahren… Auf Dauer, war festes Shampoo also auch noch nicht das richtige für mich.

Als wir dann umgezogen sind und ich in der neuen Wohnung übernachtete, ohne schon meine Badsachen alle hier zu haben, hatte ich mir dann wieder „normales“ Shampoo gekauft und bin erneut dabei hängen geblieben, weil es einfach so viel besser funktionierte.

Beim Mehl hängen bleiben – Meine Wahl Roggenmehl-Haarwäsche

Nach etwa einem halben Jahr in der neuen Wohnung – und der ein oder anderen leeren Shampoo-Falsche in dieser Zeit – wollte ich das Thema nachhaltige Haarwäsche dann aber doch noch einmal angehen. So leicht gebe ich nicht auf. Ich habe also bei Shia noch einmal all ihre Beiträge dazu gelesen und letztlich gedacht, ich teste das mit dem Roggenmehl einfach mal. Falls es nix für mich ist, kann ich das Mehl dann einfach zum Backen verwenden. Das war dann der Startschuss für eine Roggenmehl-Haarwäsche in Kombination mit einer Sauren Rinse (mehr dazu gleich) als Spülung. Dabei bin ich dann – bis auf eine Unterbrechung aus purer Faulheit nach unserem Menorca Urlaub auch geblieben.

Ich nehme nach Angaben von Shia Mehl:

Da ich nicht so lange Haare habe, reichen mir zwei Esslöffel (30ml bzw. ca. 20g) Roggenmehl Type 1150.

Tatsächlich nehme ich sogar nur ca. 1,5 EL Mehl – ich habe mal nachgewogen: das entspricht ungefähr 15 Gramm, so eine Kilo-Packung reicht also eine ganze Weile. Dazu gebe ich nach Gefühl etwas Wasser hinzu und verrühre alles mit einem Schneebesen zu einer glatten Masse, die in etwa Shampoo-Konsistenz hat. Das Schälchen mit der Mischung, stelle ich mir so neben die Dusche, dass ich dann ganz leicht ran komme. Ebenso steht neben der Dusche ein Messbecher bereit, in den ich vorm Duschen einen Schluck (ca. 1-2 EL) Apfelessig gebe.
Die Mehlmasse verteile ich dann unter der Dusche auf meinen nassen Haaren und massiere sie etwas ein – wie Shampoo eben. Einwirken lasse ich sie nur so lange, wie ich brauche um mich dann mit meinem festen Duschzeug einzuseifen. Zunächst wird dann alles gründlich ausgespült, bevor ich den Messbecher mit dem Apfelessig reinhole und mit Wasser auf einen Liter auffülle. Dann schalte ich die Dusche ab und gieße langsam diese Saure Rinse über meine Haare. Ich achte dabei darauf, dass ich auch die oberen Haarschichten mal anhebe um die unteren Ansätze zu erwischen.

Pro-Tipp: Bei der Sauren Rinse unbedingt die Augen zu machen – und zu lassen bis du mit Wasser nachgespült hast! Wenn du glaubst Shampoo brennt in den Augen, hattest du noch nie Essig darin.

Abschließend spüle ich meine Haare noch einmal ordentlich mit kaltem aus. Die Saure Rinse und das kalte Wasser schließen die Schuppenschichten und glätten so die Haare wie eine Haarspülung. Das führt – zumindest bei mir – zu butterweichem, leicht kämmbaren Haar. Außerdem fetten die Haare nicht so schnell nach, habe ich mir sagen lassen. Ich bin aber keine Frisörin bzw. Expertin für Haare, also was da genau abläuft und wieso, kann ich dir nicht erklären. Aber es funktioniert.

Bei mir funktioniert es sogar so gut, dass ich quasi keine Umstiegszeit bemerkt habe – beide Male, also auch nach der Post-Urlaubs-Faulheit, nicht. Meine Haare wurden nicht schneller oder stärker fettig, als mit herkömmlichen Shampoo. Nach nur wenigen Wochen – so zwei bis drei – passierte sogar das Gegenteil: Der Abstand zwischen den Haarwäschen wurde sogar länger, da meine Haare nicht so schnell wieder fettig aussehen.
Einziger Nachteil: Ich schaffe es scheinbar einfach nicht, das Mehl komplett auszuwaschen. Während die Haare trocknen (ich föhne nicht, ich lasse lufttrocknen) rieselt ein bisschen Mehl heraus, was dann ein bisschen nach Schuppen aussieht. Aber sobald meine Haare trocken sind, wuschle ich einmal ordentlich durch und kämme sie dann, dann ist auch der letzte Rest Mehl i.d.R. verschwunden und nichts sieht mehr komisch aus.

Falls du noch Fragen rund um das Haarewaschen mit Roggenmehl hast, empfehle ich dir (neben den im Zitat oben verlinkten Beitrag) noch folgenden Beitrag von Shia (Stand:28.08.22, 13:04 Uhr):

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Sonst noch was?

Ja, einen Tipp habe ich noch. Auch den habe ich bei Shia irgendwo gelesen, möchte ihn hier aber nach ausgiebiger Testung und eigener Umsetzung an dich weitergeben: Solltest du mal leicht fettige Haare haben, aber gerade keine Zeit (oder Lust oder Möglichkeit) zum Haarewaschen haben, kannst du deinen Look mit etwas Speisestärke auffrischen.
Es ist nämlich so, dass Trockenshampoo, welches du im Laden kaufen kannst, hauptsächlich aus Stärke besteht. Wieso dann nicht die Stärke nehmen, die vermutlich jeder zum Kochen zuhause hat?! Ich nehme einfach Kartoffelmehl (also Kartoffelstärke), das ich sonst zum andicken von Soßen verwende.

Ich gebe ein bisschen Stärke auf meine Hand und verteile sie dann auf dem Haaransatz und ein bisschen in den Längen – je nach dem, wo die Haare fettig aussehen. Ich lasse das Ganze dann kurz einwirken und kämme die Stärke dann einfach wieder aus. Meistens bleibt ein bisschen Stärke im Haar zurück, wodurch die Haare leicht weiß aussehen, das finde ich aber nicht schlimm. Davon abgesehen verschwindet dieser Eindruck auch nach einer Weile – keine Ahnung, ob die Stärke sich einfach verteilt oder rausrieselt. Jedenfalls sieht bei mir i.d.R. nach spätestens etwa einer halben Stunde alles wieder normal aus.

Deine
Marina
(DarkFairy)

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2 Comments

  1. Ping von Tina:

    Danke für deinen Post über deine Selbstversuche.
    Ein Tipp von mir: man kann der Stärke (Selbst gemachtes Trocken-Shampoo) etwas Kakaopulver hinzufügen. Je nachdem welche Haarfarbe du hast, mehr oder weniger. Dadurch sieht es nachher nicht weiß aus

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