Die Wacken-Vorfälle 2026
Sei gegrüßt.
Noch während Wacken lief, brannte plötzlich das Internet. Es häuften sich Berichte darüber, dass die Security Besucher*innen mit Regenbogenflaggen oder „FCK AFD“- bzw. „FCK NZS“-Patches abwies, sollten die entsprechenden Patches nicht überklebt oder entfernt werden.
Solltest du nichts davon mitbekommen haben, hier ein kurzes Video vom NDR dazu:
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Bevor ich weiter auf die eigentliche Thematik eingehe, noch ein Wort zu dem Video, bzw. zu dessen Titel. „Gab es Zensur bei Wacken?“. Können wir bitte aufhören, das Wort Zensur so inflationär und v.a. falsch zu benutzen?! „Zensur“ ist eine amtliche, genauer staatliche, Kontrolle. Wenn eine Einzelperson oder eine Gruppe dir sagt, du sollst z.B. einen bestimmten Begriff nicht nutzen oder dir den Eintritt auf ein Festival verwehrt wird, ist das keine Zensur.
So und nun zum eigentlichen Thema: Es wurde schon viel dazu gesagt im World Wide Web. Trotzdem möchte auch ich noch meinen Senf dazu geben.
Rechte Security-Angestellte und das brennende Internet
Wie gesagt, kamen die ersten Berichte noch während des Festivals online. Menschen berichteten online davon, dass sie antifaschistische und/oder queere Patches etc. von ihren Kutten entfernen mussten oder sonst nicht reingekommen wären. Sie berichteten von Ordnern bzw. Security-Angestellten mit „Ostdeutschland“-Kappen und Tattoos der Schwarzen Sonne.
Und das Internet tat, was das Internet nun mal am besten kann: Eine Welle der Empörung schlug sich Bahn.
Es ist leider so, dass wir ein gesamtgesellschaftliches Problem mit rechtem Gedankengut haben. Mittlerweile ist auch bekannt, dass sich Menschen mit dieser Weltsicht in besonderer Weise zu Militär, Polizei und Security – Organisationen mit klarer Hierarchie und einer gewissen Machtposition – hingezogen fühlen.
Das heißt nicht, dass alle Polizist*innen rechts sind. Definitiv nicht. Das heißt nur, dass auffallend viele Nazis diesen Beruf für sich wählen.
Genauso bekannt ist es, dass Empörung, Wut und generell Emotionen im Internet besonders gut funktionieren. Sie generieren Klicks. Da wird auch schnell mal generalisiert, um besser die eigene „Botschaft“ rüber bringen zu können.
Meine Wahrnehmung vor Ort
Versteh mich bitte nicht falsch: Nazis und ihre Weltanschauung sind scheiße. Das was da auf dem Wacken teilweise passiert ist, war scheiße. Es hätte nicht passieren dürfen.
Trotzdem halte ich absolut nichts von der Reaktion, die online sehr häufig war: „Die bekommen mein Geld nicht (mehr).“ Oder anderen ähnlichen Reaktionen.
Ich war ja vor Ort. Ich war beim Wacken 2026 dabei – genauso wie auch 2024, 2025 und deutlich früher 2012 und 2013 schon mal, by the way. Ich habe von den Vorfällen selbst nichts mitbekommen. Mir sind keine Ordner mit den entsprechenden, erwähnten Symbolen aufgefallen und ich habe vor allem sehr viele Menschen mit Regenbogenfahnen sowie queeren und antifaschistischen Patches AUF dem Gelände gesehen. Es handelt sich also vermutlich wirklich um einzelne Ordner, die dort ihre Machtfantasien ausgelebt haben.
Ich habe außerdem mehr queere Paare – vor allem M/M-Paare – als in den Vorjahren gesehen. Also Paare, die ihre Beziehung auch auf dem Festivalgelände offen und augenscheinlich ohne Angst ausgelebt haben.
Und auch Bands haben sich immer wieder laut und deutlich positioniert – z.B. Mr. Hurley & die Pulveraffen, Heavysaurus oder auch letztes Jahr Deine Cousine.
Das Wacken Open Air hat außerdem ein Statement zu der Situation abgegeben:
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Mal ehrlich: Was erwarten die Menschen da im Internet? Hätte das Festival abgebrochen werden sollen? Hätte das Festival bei 85.000 Besucher*innen seine Security uneingeschränkt nach Hause schicken sollen? Es gab Leute die gesagt haben, das Festival hätte besser mal Background-Checks bei Ihrer Security gemacht. Klar. Eine Security-Firma einstellen, die dann eine andere Security-Firma überprüft. Das wird eine Eindlos-Schleife…
Natürlich muss das Ganze Konsequenzen haben – und ich hoffe das hat es. Ich hoffe, die entsprechenden Ordner werden nie wieder in dieser Branche beschäftigt, aber das liegt leider nicht allein in der Macht des Wacken Open Air.
Mein abschließender Senf
Ich gebe zu, dass ich vielleicht ein wenig parteiisch bin, denn ich liebe das Wacken Open Air. Ich liebe dieses Festival aber so sehr, da ich mich dort noch nie unsicher oder unwohl gefühlt habe.
Ich habe die Entwicklung von meinem ersten Besuch 2012 bis heute mitverfolgt und ja auch ein Stück weit erlebt. Das W:O:A ist ein Festival, dass seine Community ernst nimmt – ja der amerikanische Investor und auch das Casino dieses Jahr sind definitiv kritische Punkte über die unbedingt gesprochen werden muss – und immer versucht sich positiv weiterzuentwickeln.
Es ist mir klar, dass auch auf Wacken sicher andere Erfahrungen gemacht werden. Bei 85.000 Menschen sind definitiv auch ein paar faule Eier dazwischen, aber mensch muss sich ja nur mal die abschließenden Berichte der Polizei anschauen…
Wacken ist im Großen und Ganzen friedlich. Es ist im Großen und Ganzen in der politischen Mitte einzuordnen, meiner Meinung nach. Es ist politisch, da es ein gesellschaftliches Event und Kunst ist. Beides geht kaum ohne Politik.
Es ist aber eben genau das: Ein Event innerhalb unserer heutigen, aktuellen Gesellschaft. Wir können nicht einem Festival – ich bin sicher alle in dieser Größenordnung haben ähnliche Probleme – die Schuld geben für das, was generell in unserer Gesellschaft falsch läuft. Sie können wohl kaum vor Anreise die politische Gesinnung ihrer Besucher*innen abfragen und dann aussortieren. Totalitäre Maßnahmen lassen grüßen…
Das W:O:A hat eingeräumt, dass Fehler passiert sind. Sie wollen es in Zukunft besser machen. Und sie positionieren sich weiterhin gegen rechts. Mehr kann mensch erstmal nicht verlangen.
Was ist denn auch die Alternative? Sollen wir das Feld für die Rechten räumen? Auf keinen Fall!
Oder wie eine Freund (die Formulierung ist Absicht) von mir sagte: Statt „Bye bye Wacken“ zu sagen, sollten wir lieber sagen „Jetzt erst Recht!“
Lasst uns Wacken 2027 zum buntesten, queersten und diversesten Open Air seiner Geschichte machen!
Deine
Marina
(DarkFairy)

