Mein Senf zu: Sixteen Souls
Sei gegrüßt.
Vor etwa einem Monat war ich kurz davor in eine Leseflaute zu rutschen. Kein Buch das ich anfing gefiel mir oder konnte mich packen. Einen letzten Versuch startete ich dann mit „Sixteen Souls“, da ich dachte: „Naja, ne Mischung aus halloweenigen Vibes und LGBTQ-Lovestory in einem Jugendbuch? Das klingt doch ganz vielversprechend, schnell lesbar und vielleicht nach Stoff für den Blog.“
Ich lag goldrichtig mit diesem Versuch – nicht zuletzt weil es der perfekte Summerween-Read für mich war…
Allgemeine Infos
Der 16-jährige Charlie hat ein Geheimnis: Seit ihn eine Krankheit nicht nur seine Beine, sondern fast das Leben gekostet hat, kann er Geister sehen. Eine Tatsache, die er am liebsten ignoriert – bis immer mehr Seelen aus York spurlos verschwinden. Gemeinsam mit dem mysteriösen Seher Sam und seinen Freunden muss sich Charlie auf die Suche machen. Bald ist klar: Ohne Hilfe erwartet die Geister ein grauenvolles Schicksal. Und während Sam und Charlie sich langsam näherkommen, geraten sie selbst in zunehmend große Gefahr …
| Titel | Sixteen Souls |
| Untertitel | Wovor die Toten sich fürchten |
| Originaltitel | Sixteen Souls |
| Autor*in | Rosie Talbot |
| Illustrationen von | – |
| Übersetzung | Ann Lecker |
| Verlag | Loewe |
| ISBN | 978-3-7432-1736-2 |
| Seiten | 416 |
| Erscheinungsdatum | 09.10.2024 |
| Preis | 17,95 € |
Mein Senf
Leute! Leu-te! Ich raste komplett aus! OMG! Ich LIEBE dieses Buch!
Ich habe es zu Ende gelesen und musste gleich meine liebsten Stellen meinem Mann vorlesen. Ich hatte zum Glück schon vorsorglich Band 2 in der Bibliothek ausgeliehen, sodass ich direkt weiter lesen konnte.
„Sixteen Souls“ verbindet einfach alles was ich liebe: Leidende Charaktere, cosy-spooky Vibes und Repräsentation von marginalisierten Menschen (Homosexuelle, trans*-Personen und Menschen mit Behinderung). Es ist das perfekte Buch für meine zwei Persönlichkeiten: die schräge spooky Frau, die tote Tiere im Regal stehen hat, und die links-grünversiffte, woke Dinkel-Dörte.
Ich fürchte, dass ich bei dieser Rezension – wie immer wenn mich das rezensierte Medium so richtig begeistert – gar nicht genau benennen kann, was mir so gut gefallen hat. Es ist paradox, aber je besser mir etwas gefällt, desto schwerer kann ich das in Worte fassen. Weil es eben über Worte hinaus geht. Es sind keine objektiven Kriterien, sondern einfach nur Gefühle.
Was mensch aber ganz objektiv für gut befinden kann, ist die Repräsentation im Buch.
Charlie, der eine Hauptcharakter, trägt zwei Beinprothesen und ist außerdem homosexuell. Sam, der andere, ist trans* und ebenfalls homosexuell. Repräsentiert durch Nebenfiguren werden außerdem lesbische Beziehungen (zumindest kurz erwähnt) sowie Bisexualität.
Nichts davon ist das Hauptthema, aber alles schwingt mit und beeinflusst Figuren und Handlung.
Die Autorin selbst ist bisexuell und hat mit Sensitivity-Reader*innen zusammen gearbeitet. Das merkt mensch dem Buch an. Denn alles ist realistisch und nachvollziehbar geschildert, sodass ich mich wunderbar in die Figuren hineinfühlen konnte – auch ohne mich in meinen Eigenschaften mit ihnen zu decken.
Gerade bei Jugendbüchern fällt mir oft auf, dass ich Plots oder Figuren sehr schnell durchschaue, da ich aber ja gar nicht mehr so direkt die Zielgruppe bin, ist das vermutlich nicht so schlimm. Wenn mensch erst beginnt diese Plot-Strukturen zu lesen und das nicht schon 1000 mal getan hat, durchschaut mensch sie vermutlich auch nicht so schnell.
Was ich damit sagen möchte: Für mich war relativ schnell klar, wer da bei „den Bösen“ mit drinsteckt und ich habe mich gefragt, warum Charlie das nicht begreift. Aber ich habe noch mal darüber nachgedacht und es wird sogar innerhalb der Geschichte erklärt. Gut und nachvollziehbar sogar. Da hab ich wohl was nicht verstanden vorher…
Warum Charlie das nicht gleich versteht, hängt mit den Inhalten der Trigger Warnung zusammen, die aber ja – wie Trigger Warnungen immer – ein Stück weit Spoiler enthält. Daher gehe ich da nicht weiter drauf ein, möchte aber die Trigger Warnung hier trotzdem einbringen:
Auch gefällt mir, dass die Figuren nicht stereotypen Rollenbildern folgen.
Leute, die meinen, dass Jungs nicht weinen sollen, können mich mal kreuzweise.
– Rosie Talbot: Sixteen Souls, S. 318
Es wäre utopisch, ungesund und einfach nur dämlich zu erwarten, dass Charlie und Sam nicht weinen würden, bei allem was sie so durch machen. Dass sie diese Gefühle zeigen können und dürfen, finde ich daher sehr gut.
Apropos Gefühle zeigen: So ab Kapitel 36 hatte ich mehrfach Gänsehaut und habe Rotz und Wasser geheult. Wirklich was für ein emotionales, aber passendes und rundes Ende.
„Sixteen Souls“ ist geeignet ab etwa 14 Jahren, aber unterhält und packt so viel länger. Es ist ein grandioses Buch über das ich am liebsten stundenlang schwafeln würde, aber ich höre jetzt hier auf. Es hat einfach alles: Eine cute Lovestory, coole Geister, taffe Hauptfiguren, eine unheimliche Grundstimmung und ein gelungenes Ende.
Mensch muss Band 2 nicht unbedingt lesen, aber mensch möchte es. Vertrau mir!
Deine
Marina
(DarkFairy)

