Mein Senf zu: Und jetzt queer!

Sei gegrüßt.

Ich liebe es durch meinen eReader zu schauen und mir spontan genau das Buch raus zu suchen, auf das ich gerade Lust habe. Bei fast 600 ungelesenen eBooks *hust* findet sich da auch immer was. Zum Beispiel auch ein cooles Sachbuch, das zum Pride Month passt.

Allgemeine Infos

InhaltsangabeEckdatenAutor*innenIllustrator*in
Cover des Buches "Und jetzt queer!" Lesen öffnet uns die Welt. In guten Geschichten erfahren wir etwas über uns selbst und die vielfältigen Formen des Lebens.
Literatur kann eine Behausung sein, eine offene Frage, ein Möglichkeitsraum außerhalb des eigenen Alltags. Warum zeigt uns der klassische Kanon dann trotzdem nur einen kleinen Teil der Welt? Warum wird uns in Schule und Feuilleton oft eine Norm vermittelt, die es weder in der Welt noch in der Literatur gibt? Warum spiegelt sich die Vielfalt queerer Identitäten und Lebenswelten so wenig in der Wahrnehmung von Literatur? Mit diesen Fragen beschäftigen sich Bianca Braunshofer, Marlon Brand und Tobi Schiller schon lange. In ihrem Buch befassen sie sich intensiv mit queerer Literatur und zeigen, dass sie schon immer Teil der Literaturgeschichte gewesen ist. Ihr Lesen und Schreiben ist eine Einladung, die ganze Vielfalt des Lesens zu erkennen.

Mit Glossar und vielen Lektüretipps – von Chinelo Okparanta bis Stefan Zweig, von Torrey Peters bis Audre Lorde, von Sappho bis Kim de l’Horizon.

Inhaltsangabe des Verlags (Stand: 14.06.26)
Titel UND JETZT QUEER!
Untertitel Lesen jenseits der Norm
Originaltitel
Autor*in Marlon Brand, Bianca-Maria Braunshofer, Tobi Schiller
Illustrationen von Jasmina El-Bouamraoui (aka EL BOUM)
Übersetzung
Verlag Leykam
ISBN 978-3-7011-8396-8
Seiten 240
Erscheinungsdatum 03.03.2026
Preis 25,- €
Stand: 14.06.26
Bianca-Maria Braunshofer ist Co-Gründerin der queer-feministischen Buchhandlung o*books. Als Sozialpädagogin und Germanistin gibt sie Workshops zu Feminismus und Queerness in Verbindung mit Literatur mit ihrer Therapiehündin Gigi. Die beiden wohnen in Wien

Marlon Brand studierte Komparatistik in Bochum und schreibt seit 2017 unter @booksaregayasfuck über queere Literatur, seit 2021 gibt er gemeinsam mit Tobi Schiller das Newsletter-Magazin »Queerer Kanon?« heraus. Er lebt in Dortmund.

Tobi Schiller ist Redakteur, Autor und Literaturvermittler. Während seines Studiums der edienwissenschaften beschäftigte er sich intensiv mit queeren Archiven. Seit 2021 betreibt er mit Marlon rand das Newsletter-Magazin »Queerer Kanon?«. Er lebt in Berlin.

EL BOUM ist die Berliner Illustrator*in Jasmina El Bouamraoui. Ihre Arbeiten vereinen erzählerisch Figuratives, leuchtende Farben und kraftvolle Kompositionen. Ihre multidisziplinäre Praxis bewegt sich zwischen Illustration, Malerei und raumgreifenden Arbeiten auf Holz.

Mein Senf

Ich liebe es, wenn sich Sachbücher einfach so richtig gut weg lesen lassen und mensch nicht ewig an ein und dem selbem Buch hängt. Das ist bei „Und jetzt queer!“ der Fall. Es liest sich flüssig und sehr angenehm.

Zu verschiedenen Überthemen (aka Kapiteln) gibt es von den drei Autor*innen einzelne Essays. Mensch kann also entweder nur das lesen, was ihn interessiert oder das Buch ganz klassisch von vorne bis hinten durch lesen – so wie ich es gemacht habe. Die Kapitel sind die folgenden:

  1. Alles queer, oder was?
    (Was ist queere Literatur, warum ist sie wichtig, Repräsentation)
  2. Wo ist queere Literatur?
    (Buchhandel, Verlage, Zensur)
  3. Genres und Formen
  4. Queerness in der Kinder- und Jugendliteratur
  5. Queerer Kanon als Projekt
  6. The Best of Both Worlds: Zwischen Weltliteratur und queeren Klassikern
    (Weltliteratur mit Queerness-Faktor, queere Literatur weltweit)

In Klammern habe ich ein paar Schlagwörter zu manchen Kapiteln notiert, um klarer zu machen, worum es in den zugehörigen Essays geht.
Mit Blick auf die oben genannten Kapitel und die Schlagwörter, wird schnell deutlich, dass es in „Und jetzt queer!“ um die unterschiedlichsten Aspekte queerer Literatur geht. Allein die Tatsache, dass außerdem drei verschiedene Autor*innen mit verschiedenem Hintergrund und verschiedenen Erfahrungen zu Wort kommen, führt zu unterschiedlichen Perspektiven. Genau das gefällt mir sehr gut an dem Buch. Grundsätzlich ist es immer schön ein Thema (gerade gesellschaftlicher Natur) nicht nur einseitig zu betrachten.

Ein bisschen schade finde ich, dass die Illustrationen doch irgendwie sehr kurz kamen.
Wenn mensch extra mit einer Illustrator*in zusammenarbeitet, dürfen die Illustrationen ruhig auch etwas präsenter sein und den Text etwas mehr auflockern.
Hier dienten sie nur zwei Zwecken: Wer hat das Kapitel geschrieben – und da hätte mir persönlich der Name mehr geholfen, als eine Illustration des/der Autor*in – und ab und zu eine leere Seite zwischen den Kapiteln zu füllen.

Positiv ist aber wiederum die vollständige Leseliste am Ende. Dort werden alle im Verlauf des Buches genannten Werke noch einmal aufgeführt. Im Prinzip eine praktische To-Read-Liste für alle Interessierten.
Genauso ist das Glossar am Ende des Buches lobend zu erwähnen. Gerade wenn mensch erst Anfängt, sich mit queeren Themen zu beschäftigen, kennt mensch noch nicht alle Begriffe. Und gerade für Menschen, die bisher nicht so viel mit queerer Literatur zu tun hatten, ist „Und jetzt queer!“ ja besonders gedacht.

Ein Zitat möchte ich noch teilen, weil dieses mich persönlich sehr in dem bestärkt hat, was ich hier auf meinem Blog so tue:

Niemand muss selbst queer sein, um queere Literatur zu besprechen. Entscheidend ist Offenheit – nicht Zugehörigkeit. Oder wie mir mal eine befreundete Person gesagt hat: »Du musst nicht queer sein, um queere Literatur zu besprechen. Das ist ja so, als müsste ich ein Pilz sein, um sagen zu können, dass ich Pilzragout mag.«

– Und jetzt queer!, S. 134

Deine
Marina
(DarkFairy)

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