Der Buchhandlungspreis und der Verfassungsschutz
Sei gegrüßt.
Ich möchte heute über ein recht aktuelles Thema sprechen, dass mir große Sorgen bereitet.
In diesem Frühjahr – genauer auf der Leipziger Buchmesse nächste Woche – soll der Buchhandlungspreis für das Jahr 2025 verliehen werden.
Letzte Woche wurden nun aber drei der Nominierten nachträglich vom Schirmherrn des Preises, Kulturstaatsminister Wolfram Weimer, wieder von der Liste gestrichen. Was da los ist und warum das eine gruselige Entwicklung ist, darüber möchte ich heute sprechen.
Noch eine Info vorab: Alles was ich hier schreibe hat den Stand vom 05.03.26, falls nicht anders angegeben.
Die Buchhandlungen „The Golden Shop“ (Bremen), „Rote Straße“ (Göttingen) und „Zur schwankenden Weltkugel“ (Berlin) wurden nachträglich von der Nominierten-Liste und somit auch vom Buchhandlungspreis ausgeschlossen. Das hat aber nicht etwa die Jury entschieden, sondern der Kulturstaatsminister Wolfram Weimer himself. Mittels sogenanntem Haber-Verfahren, informierte der Verfassungsschutz darüber, dass Erkenntnisse vorliegen, aber nicht welche das sind. Sprich: Die drei Buchhandlungen stehen unter Extremismusverdacht seitens des Kulturstaatsministers.
Das Problem an der Sache ist: Niemand weiß, was den Buchhandlungen eigentlich vorgeworfen wird – auch die Buchhandlungen nicht. Wir leben in einem Rechtsstaat, in dem mensch das Recht auf Verteidigung hat. Mensch kann sich aber nicht verteidigen, wenn gar nicht klar ist wo gegen.
Abgesehen davon ist auch der Alleingang von Weimer mehr als fragwürdig:
Dass der Kulturstaatsminister sich in drei Fällen über die Entscheidung der von seiner Behörde eingesetzten Jury aus erwiesenen Branchenkennern hinwegsetzt, ist eine Einflussnahme, die Grundprinzipien des Preises konterkariert. Es könnte sogar als politische Einflussnahme wahrgenommen werden.
– Pressemitteilung der Kurt Wolff Stiftung zur Vergabe des Deutschen Buchhandlungspreises 2025 (Stand: 05.03.26, 20:40 Uhr)
Das Problem ist die völlig fehlende Transparenz – und einfach die gruselige Tatsache, dass es scheinbar wieder okay ist, politisch andersdenkende unter Generalverdacht zu stellen. Niemand weiß so genau, was wirklich ausreicht, um einen Eintrag beim Verfassungsschutz zu bekommen.
Auf mich machen die Buchhandlungen einen linken, aber keinen extremistischen Eindruck.
Aber vielleicht habe ich auch nur wieder vergessen, dass links sein und sich für Menschenrechte einzusetzen heute oft schon als extrem gilt…
Wenn auf dem Altar der angeblichen Extremismusbekämpfung die Kunstfreiheit eingeschränkt wird, dann haben wir ein echtes Problem.
– Moderator und Journalist Jo Schück auf Instagram (Stand: 05.03.26, 20:46 Uhr)
Absolut sehenswerte kurze Zusammenfassung:
Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an
Ich finde diese Entwicklung mehr als bedenklich – und ich bin zum Glück nicht die einzige. Die Buchbranche ist in Aufruhr. Zu Recht, wie ich finde. Aber wirklich überrascht bin ich nicht. Wolfram Weimers Ernennung zum Kulturstaatsminister war, von Beginn an, umstritten in unserer Branche. Ich bin sehr gespannt, wie sich das alles noch entwickelt.
Mir ist das Thema aus zweierlei Gründen wichtig:
- Ich bin selbst Buchhändlerin und arbeite somit im Kultursektor.
- Wir hatten das schon mal, dass Menschen mit „unbequemeren“ Meinungen vom Staat überwacht wurden (und schlimmeres) und das hat definitiv nicht gut geendet.
Lies dir gerne die Pressemitteilung der Kurt-Wolff-Stiftung oder auch diesen Artikel vom NDR (Stand: 05.03.26, 20:53 Uhr) zu dem Thema durch.
Falls du mehr über Wolfram Weimer wissen willst, weißt du ja wie das Internet zu nutzen ist. Aber Vorsicht: Die Lektüre seines Wikipedia-Eintrags versaut einem echt die Laune und verursacht Übelkeit.
EDIT 11.03.26: Neue Erkenntnisse wie es scheint: https://www.boersenblatt.net/news/bkm-hat-buchhandlungen-belogen-414865 (Stand: 11.03.26, 18:10 Uhr)
Deine
Marina
(DarkFairy)

