Mein Senf zu: Unter derselben Sonne
Sei gegrüßt.
Im Februar ist in den USA und Kanada der Black History Month, in dem Leistungen, Geschichte und Kultur der afrikanischen Diaspora besonders gewürdigt werden[1]. Aber ich finde so ganz generell sollten wir uns mehr mit Schwarzer Geschichte und auch Schwarzen Geschichten beschäftigen. Daher mein heutiger Buchtipp.
Allgemeine Infos
»Lisolo« bedeutet auf Lingala, einer der Nationalsprachen des Kongo, Geschichten zu erzählen. Und Geschichten hat Nadège Kusanika viele zu erzählen: von ihrer Kindheit im Kongo, von Süßkartoffelblättern und Mango mit Pili Pili, von undurchdringlichem Nebel und unendlichem Sternenhimmel, von Plastiksandalen auf ewig staubiger Erde. Aber auch Geschichten von Hunger und Armut, vom Ankommen in einem fremden Land und vom Hineinwachsen in die deutsche Gesellschaft.
| Titel | Unter derselben Sonne |
| Untertitel | – |
| Originaltitel | – |
| Autor*in | Nadège Kusanika |
| llustrationen von | – |
| Übersetzung | – |
| Reihe | – |
| Verlag | aufbau Verlag |
| ISBN | 978-3-351-04243-1 |
| Seiten | 207 |
| Erscheinungsdatum | 12.März 2025 |
| Preis | 22,- € |
Mein Senf
Kusanika erzählt in einzelnen Episoden von ihrer Kindheit in der Demokratische Republik Kongo sowie ihrer Jugend und ihrem frühen Erwachsenenleben in Deutschland.
Über Afrika allgemein – geschweige denn über die verschiedenen (54!) Länder – wird in der Schule – oder sonst irgendwo – kaum gesprochen. Ich glaube alles was ich in der Schule über Afrika gelernt habe, war das alte Ägypten. Umso glücklicher bin ich mit Büchern wie „Unter derselben Sonne“ diese Versäumnisse nachzuholen.
Es war spannend zu sehen, dass scheinbar auch im Kongo koloniale Geschichte nicht wirklich aufgearbeitet wird. Wie Kusanika erzählt, orientieren sich die Unterrichtsinhalte dort sehr an europäischen. Naja und wie gesagt, über (deutsche) Kolonien habe ich zumindest nicht wirklich etwas gelernt…
Mir hat es wirklich sehr viel Spaß gemacht, etwas über de Kongo zu lernen, denn wie Kusanika auch schreibt, wissen die meisten – mich eingeschlossen – nicht mehr über den Kongo, als dass dort bis heute (in Teilen) Bürgerkrieg herrscht.
In nur wenigen Sätzen macht die Autorin deutlich, dass unser europäisches Bild von Afrika in erster Linie durch Bilder von Hilfsorganisationen und Safari-Dokus geprägt wird. Wir brauchen gar nicht darüber reden, wie einseitig und beschränkt dieser Blickwinkel ist.
Dass der Kongo überwiegend mit Armut, Korruption, Ebola und Kriegen in Verbindung gebracht wird, hinterlässt bei mir den Eindruck, dass seine vielfältigen Kulturen und Traditionen überhaupt nicht gesehen werden. Leid und Elend treten in den Vordergrund und das, was den Kongo eigentlich ausmacht, verschwindet nach und nach.
– Unter derselben Sonne, Kapitel 18 (genaue Seite unbekannt, da eBook)
Mein Lieblingspart – Überraschung – waren die Schilderungen des Essens. Mensch spricht ja nicht um sonst von Esskultur. Essen ist viel mehr als nur Nahrung. Es ist Zuhause und Heimat und gleichzeitig aber auch Fremde und Neues. Ein Blick über den Tellerrand lohnt sich immer – auch auf den Nachbarteller ;-)
Ich möchte jetzt wirklich gerne pondu und fufu essen!
Kusanika ist eine tolle Erzählerin, die ihre Leserschaft wortwörtlich mitnimmt. Ich habe viele schöne Seiten vom Kongo kennengelernt, aber genauso habe ich sie ein wenig kennengelernt. „Unter derselben Sonne“ ist als Roman deklariert und das ist genau die richtige Einordnung. Es ist kein nüchternes, trockenes Sachbuch. Es erzählt eine Geschichte. Die Geschichte von Nadège Kusanika – und es lohnt sich, die zu lesen.
Deine
Marina
(DarkFairy)

