Mein Senf zu: Becoming Charlie
Sei gegrüßt.
Kennst du das? Du hast alles gemacht, was du an einem Tag machen wolltest – sogar einiges an Freizeit genossen – und denkst dir: „Joa, das war ein guter Tag.“ Es ist allerdings erst früher Nachmittag. Du bist also quasi fertig mit dem Tag, der Tag aber noch nicht?
Passiert mir wirklich äußerst selten das Ganze, aber letztens war ich froh, dass es passiert ist, denn ich hatte endlich Lust und Ruhe mir „Becoming Charlie“ anzuschauen, was sein rund 3 Jahren auf meiner Watchlist stand.
| Originaltitel | Becoming Charlie |
| Anbieter | Amazon Prime (Zusatzkanal „ZDF select“) |
| Produktionsland | Deutschland |
| Erscheinungsjahr(e) | 2022 |
| Spieldauer | ca. 15-20 Minuten pro Folge |
| Folgen | 6 Folgen in 1 Staffel |
| Genre | Drama > Coming-of-Age |
| Idee | ? |
| Regie (in Klammern Anzahl der Folgen) |
Greta Benkelmann (3), Kerstin Polte(3) |
| FSK | 12 |
| Drehbuch | Lion H. Lau, Sarah Wallers |
| Produktion | Oliver Arnold, Katrin Haase, Yvonne Wassong |
| Musik | Pelle Parr |
| Kamera (in Klammern Anzahl der Folgen) |
Philip Jestädt (3), Lotta Kilian (3) |
| Figur(en) | Schauspieler*in | Synchronsprecher*in |
| Charlie | Lea Drinda | – |
| Rowena | Bärbel Schwarz | – |
| Fabia | Katja Bürkle | – |
| Ronja | Sira-Anna Faal | – |
| Nikolas | Danilo Kamperidis | – |
| Maya | Dalila Abdallah | – |
Es gibt noch weitere Rollen.
Trailer
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Mein Senf
Ich dachte mir also an diesem, in der Einführung oben erwähnten, Tag, dass ich endlich mal in die Serie reinschauen könnte. Tja, ca. anderthalb Stunden später war ich durch. Mit der Serie, der Welt, allem. Mit Tränen in den Augen saß ich da und hab den ausgeschalteten Fernseher angestarrt. Was für eine gute Serie!
Die Serie startet direkt stark. Eine Folge und mensch ist direkt mittendrin. Das Erzähltempo ist relativ hoch, die Handlung dicht. Trotzdem wirkt eine Folge – oder die ganze Serie – überhaupt nicht überladen oder oberflächlich.
Ich konnte sehr gut eine emotionale Verbindung zu Charlie aufbauen und hatte nicht das Gefühl, dass mir erzähltechnisch irgendetwas fehlen würde. Insgesamt ist die Geschichte unfassbar nahbar und echt erzählt. Es wirkt aus dem Leben gegriffen. Jede einzelne Figur hat eine eigene Persönlichkeit. Betrachtet man die Kürze der Folgen ist das wirklich beachtlich!
Generell ist die Folgenlänge etwas, über das ich kurz sprechen möchte: Ich gebe zu, dass ich Anfangs skeptisch war und dachte, dass bei der Länge kaum eine gute Serie raus kommen könne. Was habe ich mich getäuscht! Im Nachhinein beginne ich mich zu fragen, warum andere Serien-Folgen oft so lang sind. Offensichtlich lässt sich eine gute, überzeugende Geschichte auch in weniger Minuten erzählen.
Visuell ist das Ganze einfach so sehr deutsche Plattenbausiedlung. Die Serie spielt scheinbar in Offenbach – ich wüsste jetzt aber nicht, dass das innerhalb der Serie mal benannt wurde – könnte aber theoretisch auch in jeder anderen deutschen Großstadt spielen. Das Setting ist im sozialen Brennpunkt.
Charlie wohnte mit der Mutter in einer kleinen Wohnung. Mit „nur“ einem Lieferjob ist Geld grundsätzlich zu wenig da (auch wenn die Mutter auch arbeitet…). Mensch sieht, dass es „trotzdem“ glückliche Momente gibt – mensch vermutet sogar, dass sie in der Vergangenheit überwogen.
Ich liebe es, dass es die Serie schafft zwei gesellschaftlich relevante Themenkomplexe zu behandeln ohne den Fokus zu verlieren. Wir haben den sozial-finanziellen Aspekt auf der einen Seite und den individuellen Coming-of-Age Aspekt auf der anderen.
Charlies persönlicher Kampf beim Finden der eigenen Identität jenseits der binären Strukturen unserer Gesellschaft, ist so nachvollziehbar und eindrücklich dargestellt, ein großes Lob an Schauspielerin Lea Drinda!
Bemerkenswert finde ich übrigens auch, dass „Becoming Charlie“ eine sogenannte „Instant-Serie“ ist. Das war mir bisher kein Begriff, aber ich stolperte bei der Recherche für diesen Beitrag darüber:
„Becoming Charlie“ ist in einem beschleunigten Produktionsprozess entstanden – zwischen Konzeption, dem Drehstart im Januar 2022 und der Online-First-Veröffentlichung im Mai lagen nur ein paar Monate. ZDFneo hat seit Frühjahr 2020 in dieser „Instant“-Produktionsweise mehrere Formate produziert, die nah am Zeitgeist und den Lebenswelten der jungen Kernzielgruppe des Senders sind.
– ZDF Presseportal > Pressemappen > Becoming Charlie (Stand: 25.08.25, 11:21 Uhr)
Ganz ehrlich: Das erscheint mir ein cooles Konzept. Aktuelle und gesellschaftlich relevante Themen zeitnah in Unterhaltungsformate einzubinden ist richtig genial. Und wenn das Ergebnis so ist wie bei „Becoming Charlie“, dann bitte unbedingt mehr davon!
Leider ist die Serie aktuell nirgendwo gratis zu sehen – aus der Mediathek ist sie raus. Aber wer Amazon Prime abonniert hat, kann den Zusatzkanal „ZDF select“ dazubuchen – oder einfach, so wie ich, sieben Tage gratis testen – und sich die Serie gönnen. Ich schwöre wirklich gut investierte anderthalb Stunden!
Wir haben einfach eine rundum gelungene Serie. Angefangen bei der Musik, dem Schnitt, der Kameraarbeit, über das herausragende Schauspiel, bis hin zur guten Story mit einem eher offenen, aber positiv konnotierten Ende. Und – wenn mensch den Fehler begeht beim Trailer auf YouTube in die Kommentare zu scrollen, sieht mensch es überdeutlich – eine unfassbar wichtige Serie dazu!
Deine
Marina
(DarkFairy)
Quellen:
- IMDb > Becoming Charlie (Stand: 20.08.25, 19:46 Uhr)
- Abbildung Non-Binary Flagge: Nonbinary Pride Flag by Kye Rowan is licensed under a Creative Commons Attribution 4.0 International License. (Stand: 20.08.25, 20:12 Uhr)

