Mein Senf zu: Urlaub vom Patriarchat
Sei gegrüßt.
„Oh das klingt ja richtig cool. Und das Cover ist auch super!“ So in etwa waren wohl meine Gedanken, als ich das heutige Buch in der Verlagsvorschau des Kiepenheuer & Witsch Verlags entdeckte. Ich hatte dann gleich mal der lieben Verlagsvertreterin geschrieben und mir ein Leseexemplar vormerken lassen. Es ist sogar ein Leseexemplar, dass ich dann recht zeitnah zum Erscheinen gelesen habe!
Allgemeine Infos
In Juchitán, einer Stadt im Süden Mexikos, läuft auf den ersten Blick vieles anders: Frauen sind die Oberhäupter ihrer Familie, auf dem Markt betreiben sie den Handel und Besitz wird von den Müttern an die Töchter vererbt. Fasziniert von einem möglichen Gegenentwurf zum Patriarchat begibt Friederike Oertel sich auf eine aufregende Reise: Sie lernt von den Frauen vor Ort, denkt über Geschlechterrollen nach und geht Widersprüchen auf den Grund. Denn auch im Matriarchat ist Frausein komplizierter als erwartet.
| Titel | Urlaub vom Patriarchat |
| Untertitel | Wie ich auszog, das Frausein zu verstehen |
| Originaltitel | – |
| Autor*in | Oertel, Friederike |
| Illustrationen von | – |
| Übersetzung | – |
| Verlag | Kiepenheuer & Witsch |
| ISBN | 978-3-462-00628-5 |
| Seiten | 336 |
| Erscheinungsdatum | 08.05.2025 |
| Preis | 20,- € |
Mein Senf
Das Buch war irgendwie ganz anders, als ich erwartet habe und entsprach doch auch gleichzeitig meinen Erwartungen. Es ist etwas schwer zu beschreiben, aber ich glaube das Buch spiegelt sehr gut Oertels Reise wieder. Die südmexikanische Stadt Juchitán war nicht, was sie erwartet hatte und doch hat sie gefunden, was sie gesucht hat – zumindest schreibt sie das selbst am Ende.
Friederike Oertel beschreibt ihre Reise als z.T. widersprüchlich aber auch heilsam. Ihr Buch ist feministisches Manifest und Reisebericht in einem. Eine wunderbare Mischung! Eine vielleicht auch etwas widersprüchliche aber heilsame Mischung.
Ich habe viel gelernt aus dem Buch: Über das Patriarchat, über Feminismus, über vieles was mit diesen Themen zusammen hängt. Aber eben auch über Mexiko im Allgemeinen, über Juchitán im Besonderen und über die Menschen dort. Und – und das ist vielleicht das Wichtigste – ich habe auch etwas über mich gelernt.
Ihre Reiseberichte, also ihre eigenen Erlebnisse, unterbricht und unterfüttert Oertel immer wieder mit Zitaten, Studien und Statistiken. Viele Fakten werden dargelegt, es wird auf den aktuellen Stand der Forschung eingegangen, aber jedes Mal, wenn es droht zu viel, zu erschlagend zu werden, unterhält sie sich wieder mit den Menschen in Juchitán, trinkt Mezcal oder feiert auf einer Vela.
Ich liebe diese Mischung. Nicht nur nüchterne Fakten, sondern echte Eindrücke, die die Fakten widerspiegeln oder vielleicht auch in Teilen widerlegen. Ausnahmen bestätigen ja bekanntlich die Regel.
Mir hat meine lehrreiche Reise nach Mexiko und in die Geschichte des Patriarchats und Matriarchats ausnehmend gut gefallen. Auch wenn ich jetzt weiß, dass es gar keine „wissenschaftlich anerkannte Definition des Begriffes »Matriarchat« gibt“ (S. 24), es also nicht ganz klar ist, was genau eigentlich ein Matriarchat ist oder eben auch nicht. „Matriarchat“ ist ein Kunstwort, das für mich nach der Lektüre von „Urlaub vom Patriarchat“ vor allem für die Möglichkeiten, die es jenseits einer patriarchischen Gesellschaft wie der unseren gibt, steht.
Vielen Dank fürs Mitnehmen auf diese Reise, Friederike Oertel!
Deine
Marina
(DarkFairy)

